Glossary

Infrastruktur

Wie bekommen wir Strom / Toilette / Wasser / Müllentsorgung für unser Projekt?
Infrastruktur ist für jeden Freiraum ein Problem. Wenn ihr nicht sehr viel Geld habt, werdet ihr konsequent mit Provisorien leben müssen - aber das geht besser als gedacht! Mehr Details hierzu im zugehörigen Lexikoneintrag.
Meistens nimmt man Infrastruktur einfach so hin, bis man feststellt: Strom, Wasser, Kanalisation etc. sind aufwändig und teuer - und in Freiräumen oft Mangelware. Für einige Probleme haben wir inzwischen ganz gute Lösungen gefunden, aber: Infrastruktur ist ein langwieriger Kampf!
Toilette
Die meisten Innenräume haben Toiletten. Für Aktionen auf Freiflächen gilt: Falls ihr nur mit einer kleinen Gruppe von Freunden arbeitet und jemand davon im Viertel wohnt, oder alle Aktiven aus der Nachbarschaft kommen, ist eine Toilette wahrscheinlich nicht das Hauptproblem - andernfalls kann es durchaus eines werden. „Echte" Toiletten sind teuer, pflegeintensiv, vandalismusanfällig und ziehen einen Rattenschwanz nach sich. Es braucht einen Kanalisationsanschluss (teuer), und einen frostfreien Raum (der u.U. baugenehmigungspflichtig ist). Für ein langfristiges, professionelles Angebot wie zum Beispiel Gastronomie ist dies jedoch die einzige Lösung. Denkbar sind ein eigenes Gebäude, die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes oder die Anschaffung eines Klocontainers (mit Heizung!). Für Events kann man Dixietoiletten mieten (ca. 220€ / Monat inkl. Lieferung), sie sind jedoch unschön und im Sommer geruchsintensiv. Wir haben gute Erfahrungen mit einer Komposttoilette gemacht, auch hier muss jedoch die Verantwortung für die Pflege klar geregelt sein - eine Komposttoilette, die im Chaos versinkt, ist kein schöner Anblick. Zudem muss man sich rechtzeitig Gedanken über die Kompostierung machen; hier lohnt es sich, professionellen Rat einzuholen. Lange Jahre haben wir uns erfolgreich damit durchgeschlagen, die Toiletten der Nachbarschaft zu benutzen - und haben uns immer bemüht, den Nachbar*innen nie ein ungeputztes Klo zu hinterlassen!
Strom
Bei Veranstaltungen in Räumen gibt es oft Strom; redet vorher mit den Eigentümer*innen, ob und wie viel ihr für den Strom zahlen sollt. Falls es auf Freundschaftsbasis läuft: zahlt lieber ein paar Euro zu viel, als dass sich jemand ausgenutzt fühlt! Bei regelmäßigen Veranstaltungen kann es sich lohnen, einen Zwischenzähler zu kaufen (gibt es für wenig Geld im Baumarkt). Für Veranstaltungen im Freien könnt ihr auf Akkus setzen, insbesondere für Werkzeug und Lampen ist das sehr praktisch. Bei allem, was etwas größer werden soll, könnt ihr versuchen, euch von Nachbar*innen Strom zu ziehen - je mehr Kabeltrommeln ihr habt oder leihen könnt, desto besser! Generatoren sind praktisch, aber laut, und im Dauerbetrieb durchaus teuer; ökologisch sind sie auch nicht unbedingt. Für Einzelevents könnt ihr Generatoren für etwa 50€ pro Tag leihen; redet vorher mit euren Bühnentechniker*innen, wie stark diese sein müssen! Falls ihr längerfristig eigenen Strom „aus der Steckdose” wollt, kann man einen Baustellenanschluss legen - das muss dann über eine*n Elektriker*in beantragt werden. Einerseits ist „Baustrom” doppelt teuer, denn ihr zahlt pro Monat Anschlussgebühren und der Strom selbst ist teurer als sonst, andererseits ist es günstiger als einen „echten” Stromanschluss legen zu lassen. Aber wie bei Toiletten gilt auch hier: wenn ihr langfristig ein professionelles Angebot auf der Fläche betreiben wollt, werdet ihr um einen echten Stromanschluss wahrscheinlich nicht herumkommen.
Wasser
Für manche vielleicht kein Problem, für uns ein jahrelanges Ärgernis: fehlendes Wasser. Wenn ihr Dachflächen habt, könnt ihr Regenwasser sammeln; für uns haben sich sog. “IBC”-Tanks bewährt, in die jeweils 1000 Liter passen. Für Events (Händewaschen!) und zum Kochen kann man von Nachbar*innen Kanister auffüllen lassen; auch hier wieder: lieber ein paar Cent zu viel gezahlt, als dass sich jemand ausgenutzt fühlt! Ein „echter” Wasseranschluss muss unterirdisch verlegt werden und muss so gebaut sein, dass er nirgendwo einfrieren kann, also nur in geheitzten Gebäuden über die Erde kommt. Eine Ausnahme sind Gartenhydranten, die man in den Schacht stecken und im Winter wieder abziehen kann.
Müll
Je nachdem was ihr vorhabt, kann es sich lohnen, eine Mülltonne bei der Stadt zu beantragen, wobei ihr dann klären müsst, wer sie regelmäßig zur Abholung rausbringt. Wo steht sie sicher abgeschlossen, aber trotzdem so, dass jede*r ran kommt?. Sonst bleibt nur die Möglichkeit, nett bei Nachbar*innen zu fragen, den Müll mit nach Hause zu nehmen oder gelegentlich zum Wertstoffhof zu fahren - wir kennen kein Projekt, das diesen Weg nicht regelmäßig antreten müsste…

Glossar der "Quartiersentwicklung von Innen“

erstellt im Auftrag des Wall & Space e.V. durch Freiraumgalerie - Kollektiv für Raumentwicklung.