Du arbeitest künstlerisch mit Licht, Bewegung, Projektionen und Interaktionen und hast Lust auf Workshops und partizipative Schaffensprozesse? Dann bist du bei uns genau richtig! Während der Residency in Halle (Saale) kannst du gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft Lichtprojektionen, Installationen und andere Formate entwickeln und erproben. Die Residency dauert zwei Monate und kann flexibel zwischen Juni und August 2026 stattfinden. In der ehemaligen Turnhalle in Neustadt stellen wir für dich ein großes Atelier zur Verfügung. Die entstandenen Arbeiten von dir und der Nachbarschaft werden anschließend beim Lichtfestival präsentiert und inszeniert.
Am 2. & 3. Oktober 2026 findet ein Lichtfestival in Halle-Neustadt statt. Unter dem Motto „Strukturen sichtbar machen“ rückt das Festival gesellschaftliche Dynamiken und Formen des städtischen Zusammenlebens in den Fokus.
Bewirb dich bis einschließlich 31. Januar 2026!
Da du eng mit Menschen aus der Nachbarschaft zusammenarbeitest sind Sprachkenntnisse in arabisch oder ukrainisch von Vorteil. Mit uns kommunizierst du am besten auf Deutsch oder Englisch.
Wir stellen dir eine Unterkunft zur Verfügung und bieten eine Finanzierung von1500€ pro Monat an.
Unser Stadtteil: Halle-Neustadt
Halle-Neustadt ist ein Stadtteil von Halle (Saale), der ab den 1960er Jahren als eigenständige Planstadt der DDR gebaut wurde. Gedacht als Wohnort für Beschäftigte der Chemieindustrie in Buna und Leuna, war „HaNeu“ ein ambitioniertes Projekt: großzügig geplant, mit viel Grün, klarer Struktur und acht Wohnkomplexen. Zu Spitzenzeiten lebten hier über 90.000 Menschen, heute sind es etwas mehr als die Hälfte.
Von Anfang an spielte Kunst im öffentlichen Raum eine zentrale Rolle. Skulpturen, Wandbilder, Mosaike und Fassadengestaltungen waren fest in die Stadtplanung integriert und transportierten sozialistische Werte wie Solidarität oder Fortschritt. Trotz Rückbau und Verfall sind viele dieser Arbeiten noch sichtbar und prägen das Stadtbild bis heute – für viele Bewohner*innen sind sie identitätsstiftend.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands geriet Halle-Neustadt stark unter Druck. Der Zusammenbruch der Industrie führte zu Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Leerstand. Ganze Wohnblöcke verschwanden, Flächen blieben ungenutzt. Der Stadtteil wurde zunehmend negativ wahrgenommen und steht beispielhaft für territoriale Stigmatisierung: ein Image, das weniger auf Alltagserfahrungen beruht als auf Vorurteilen, medialen Erzählungen und politischen Zuschreibungen – mit spürbaren Folgen für die Menschen, die hier leben.
Gleichzeitig ist Halle-Neustadt ein vielfältiger und lebendiger Ort. Neben der älteren Generation leben hier junge Familien und viele Menschen mit Migrationsgeschichte, unter anderem aus Syrien und der Ukraine. Soziale Spannungen und ökonomische Benachteiligung sind real, ebenso wie politische Polarisierung. Doch es gibt Potenziale: günstige und verfügbare Räume, eine starke Geschichte und eine lange Tradition von Kunst im öffentlichen Raum. Halle-Neustadt bietet Ansatzpunkte für künstlerische Arbeit, die sich mit Ort, Gesellschaft und neuen Narrativen auseinandersetzt – offen, kritisch und gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

Dein Arbeitsplatz: Turnhalle Begonienstraße 30
Die Turnhalle liegt an der Kreuzung von Zur Saaleaue und Begonienstraße, etwas zurückgesetzt und ist von fast allen Seiten gut einsehbar. Ihre Lage zwischen Peißnitzinsel und dem Zentrum Halle-Neustadts ist sie sowohl aus der Altstadt als auch innerhalb Neustadts gut erreichbar.
Die Umgebung ist überwiegend von Wohnbebauung geprägt, größtenteils Altbestand Halle-Neustadts in Plattenbauweise. Eine Ausnahme bildet der Neubau direkt nördlich der Turnhalle. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das Islamische Kulturzentrum und das Mehrgenerationenhaus Pusteblume, die beide regelmäßig Veranstaltungen ausrichten.
Bekannt ist die Turnhalle durch frühere Zwischennutzungen, etwa die Skatehalle „Fliparena“ oder den Gemeinschaftsgarten NEUtopia, die das Gelände über mehrere Jahre geprägt haben.

Auch unsere Ausstellung “Beyond Plattenbau”, die in den Räumlichkeiten der Turnhalle stattfand, konnte zeigen, welche vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten es gibt.
Die Turnhalle in der Begonienstraße ist ein Typenbau und damit Teil des architektonischen und kulturellen Erbes der ehemaligen DDR.
Der große Arbeitsraum hat eine Grundfläche von 280m2. Nebenräume und Abstellflächen sind vorhanden. In der Turnhalle befindet sich aktuell kein Wasseranschluss, ein Kompostklo steht auf dem Gelände, Stromanschluss ist vorhanden. Unser Büro mit allen Annehmlichkeiten ist 5min zu Fuß von der Turnhalle entfernt und kann während der Residency mit genutzt werden.
Unser Ziel: Ein Lichtfestival
Am 2. und 3. Oktober 2026 soll die Neustädter Passage im Zentrum von Halle-Neustadt durch ein großes Lichtfestival neu erlebbar werden. Die Passage mit ihren fünf markanten Scheibenhochhäusern wurde als städtebauliches Herz des Stadtteils geplant und ist bis heute ein einzigartiges Ensemble. Seit 1990 ist sie jedoch von Leerstand, Umbrüchen und fehlender Beleuchtung geprägt. Mit Licht, Fassadenprojektionen, Kunst und Begegnung wollen wir ihr Potenzial sichtbar machen und ihre ursprüngliche Bedeutung neu verhandeln.
Das Lichtfestival 2026 in Halle-Neustadt lädt dazu ein, Unsichtbares sichtbar zu machen. Unser Ausgangspunkt ist, dass unser städtisches Zusammenleben durch vielfältige Strukturen geprägt wird. Viele dieser Strukturen bleiben im Alltag jedoch verborgen oder werden übersehen. Mit dem Medium Licht wollen wir sie inszenieren, neu befragen und gemeinsam erfahrbar machen.
Dabei verstehen wir „Strukturen“ in mehreren Dimensionen:
Visuell / ästhetisch: Wir rücken das architektonisch-städtebauliche Erbe Halle-Neustadts in den Fokus. Besonderheiten wie Kunst im öffentlichen Raum, Strukturfassaden, HP-Schalen und andere Bauwerke erscheinen in neuer Gestalt und eröffnen ungewohnte Perspektiven auf bekannte Orte.
Stadträumlich: Das Festival nutzt Licht, um Themen des Stadtraums sichtbar zu machen: zum Beispiel die Idee der „Stadt der kurzen Wege“, Angsträume und Fragen des demografischen Wandels.
Gesellschaftlich: Wir richten den Blick auf Machtstrukturen und soziale Gefüge, die den Alltag prägen – von Stigmatisierungen bis hin zu solidarischen Netzwerken
In all diesen Dimensionen wird Licht zum Werkzeug, um grundlegende Strukturen sichtbar zu machen.
Zentral ist der gemeinschaftliche Ansatz: Das Festival entsteht in Zusammenarbeit mit Menschen und Initiativen aus Halle-Neustadt, der Stadt Halle und darüber hinaus. Ziel ist ein offenes Ereignis, das Austausch ermöglicht, Identität stärkt und über den Stadtteil hinaus wirkt.


Unsere Arbeit: Freiraumgalerie und Wall & Space e.V.
Getragen wird das Projekt vom Wall & Space e.V. und der Freiraumgalerie. Beide sind in Halle-Neustadt verankert und arbeiten an der Schnittstelle von Kunst im öffentlichen Raum, Bildungsarbeit und kooperativer Stadtentwicklung. Mit partizipativen Formaten, Festivals und Projekten verbinden sie künstlerische Qualität mit Nähe zu den Menschen vor Ort. Die Freiraumgalerie zählt mit rund 200 Wandbildern zu den bekanntesten Muralismus-Kollektiven im deutschsprachigen Raum, während Wall & Space e.V. künstlerische Interventionen mit Bildungs- und Beteiligungsarbeit verknüpft.

Seit zwei Jahren arbeiten wir am Aufbau eines Community Art Centers. In Halle-Neustadt entsteht Schritt für Schritt ein dauerhafter Ort für Kunst im Viertel. Er soll nicht nur Ausstellungsraum sein, sondern auch Treffpunkt, Werkstatt und Bühne, offen für die Menschen im Quartier und darüber hinaus. Ein Ort, an dem künstlerische Ideen wachsen, Austausch entsteht und Kunst als Teil des Alltags in Halle-Neustadt sichtbar wird. Die Turnhalle dient dabei als erster temporärer Kunstraum, in dem über den Sommer 2026 eine kreative Arbeits- und Präsentationsatmosphäre geschaffen wird.
Bewirb dich jetzt für die Residency zum Lichtfestival 2026

